Vorgeschichte:<\/p>\n
Sacha und ich haben uns an einem Russenboxertreffen im Spessart kennen gelernt. Danach haben wir uns noch das eine oder andere Mal gesehen, bevor eine E-Mail\u00a0 von\u00a0 ihm bei mir eingeflattert ist mit der Anfrage, er m\u00f6chte nach Rum\u00e4nien fahren, mal das Schloss von Graf Dracula anschauen. Ob ich denn nicht Lust h\u00e4tte, mitzukommen? Im August sollte unsere Reise dann stattfinden.<\/p>\n
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Reisevorbereitungen:<\/p>\n
Dnepr: die Dnepr bekam eine Art Kettenhemd \u00fcber das Boot, um den Inhalt zu sichern.<\/p>\n
Chang Jiang: kleine Inspektion mit Ventil-Einstellen, \u00d6lwechsel. Ferner bekam das Boot eine Art abschlie\u00dfbarer, aufklappbarer Deckel aus genietetem Blech.<\/p>\n
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Fr. 9.08.02<\/p>\n
R: Die bestellten Ersatzteile von Warnke sind also doch nicht eingetroffen. Ok. Pech gehabt. Schei\u00dfe. Was muss der auch an dem Wochenende sein Treffen haben! Hoffentlich passiert nichts gr\u00f6\u00dferes am Chinesengespann w\u00e4hrend der Fahrt!<\/p>\n
S: Um 15.45 h finde ich mich am Campingplatz in Kochel am See ein, von wo wir unsere Reise starten wollten. Ich habe bereits die 350 km von Z\u00fcrich problemlos hinter mir. Ein Anruf von Regina: Sie hat Probleme mit dem Seitenwagenverdeck, sie braucht noch einige Zeit. Das hat man also davon, wenn man mit fast wildfremden Chinesenfahrerinnen nach Rum\u00e4nien will……. Nach einem weiteren Telefonat steht fest, da\u00df wir uns wegen des starken Regens bei Freunden von Regina treffen und dort \u00fcbernachten.<\/p>\n
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Sa. 10.08.02<\/p>\n
R: Gegen 10.00 h losgefahren, nachdem mit Hilfe von Gerhard das Verdeck am Chinesengespann reisesicher gemacht wird.<\/p>\n
S: Nach der Abfahrt Richtung Salzburg stellt sich eine gewisse Nervosit\u00e4t ein: Eine Reise mit einer fast unbekannten Frau mit Chang-Jiang und einer alten Dnepr ist doch etwas ungew\u00f6hnlich. Auf der Autobahn Richtung Salzburg dann das erste Problem an der Dnepr: Die G\u00e4nge k\u00f6nnen nur aufw\u00e4rts geschalten werden. Nach ein paar Versuchen, das Getriebe einzustellen, wurde aufgrund des nur m\u00e4\u00dfigen Erfolgs, eine Polygripzange anstelle des Handschalthebels verwendet, um die G\u00e4nge wieder runterzuschalten.<\/p>\n
Mittags noch ein Besuch bei P. Zinterhof in Salzburg, der uns einen originalen Handschalthebel anbietet.<\/p>\n
R: Ein Typ, der nach ein paar Kilometern die erste Panne hat, aber gewillt ist, mit einer \u00fcbernerv\u00f6sen Chinesenfahrerin und einer Polygripzange am Getriebe den Weg nach Rum\u00e4nien und zur\u00fcck zu fahren, ist wahrscheinlich der ideale Reisebegleiter. Ich frage mich, wo dieser Mensch seine Gelassenheit und seinen Optimismus hernimmt.<\/p>\n
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So. 11.08.02<\/p>\n
Letzte Nacht haben wir im Umland von Salzburg gecampt.\u00a0 Sacha war von dem ungebetenen und zweifellos angetrunkenen Besucher seines Zeltes morgen um 5h nicht sehr angetan. Der Typ ist dann aber wieder schnell abgezogen. Leider regnet es wie an den beiden anderen Tagen immer noch. Aber nach einem starken Kaffe auf dem russischen Benzinkocher sieht die Sache nicht mehr so schlimm aus. \u00a0Am Abend, in der Gegend um Wien, wird der Regen sehr stark. Das Hinterrad der Dnepr dreht auf der \u00fcberfluteten Strasse durch und wird gegen das Ersatzrad getauscht, das mehr Profil hat.\u00a0 Da der Regen nicht nachl\u00e4sst, quartieren wir uns in einem Hotel ein, wo wir unsere ganzen Habseligkeiten inklusive der Zelte trocknen k\u00f6nnen.<\/p>\n
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Mo. 12.08.02<\/p>\n
Am Morgen ist es trocken, das hebt die Moral. Bis wir abfahrbereit sind, beginnt es aber bereits schon wieder zu tr\u00f6pfeln. Wir passieren die ungarische Grenze relativ problemlos, nachdem wir ca. eine dreiviertel Stunde in der Schlange gestanden sind. Die Grenzbeamten interessieren sich mehr f\u00fcr die Motorr\u00e4der als f\u00fcr die Papiere. Auf der ungarischen Autobahn haben wir ein echtes Highlight: wir \u00fcberholen mit unseren 22 PS den ersten LKW! Ein herrliches Gef\u00fchl! Bei Csam verlassen wir die Autobahn, um auf kleineren Stra\u00dfen an der Donau entlangzufahren. Die ungarischen Landstra\u00dfen sind genauso gut ausgebaut wie unsere. Gegen Abend finden wir auf abenteuerlichen Wegen eine Unterkunft in einem M\u00e4nnerwohnheim in Veresegyk\u00e1z, nord\u00f6stlich von Budapest.<\/p>\n
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Di. 13.08.02<\/p>\n
Wir verbringen den Tag in Budapest – vornehmlich mit der Suche nach einem Ural-H\u00e4ndler in der Nagyk\u00f6r\u00f6si ut 99, auf den wir doch einige Hoffnungen gesetzt hatten in Bezug auf Ersatzteile. Wir finden die angegebene Adresse auch, erkennen den Namen auf dem Schild wieder und – staunen \u00fcber die blitzblanken B\u00fcror\u00e4ume. Akkurat einger\u00e4umte Leitz-Ordner und modern wirkende Kopierer zwischen liebevoll gepflegten Gr\u00fcnpflanzen. Sehen so Ural-H\u00e4ndler in Ungarn aus? Leider nicht. Wie sich herausstellt, f\u00e4hrt der Chef des Unternehmens zwar eine Ural, aber da\u00df er H\u00e4ndler sei, ist wohl eine Fehlinformation. Die anwesende Belegschaft grinst. Nun ja. Budapest an und f\u00fcr sich ist eine sehr sch\u00f6ne Stadt, f\u00fcr die man sich sicherlich mehr Zeit nehmen sollte als wir sie zur Verf\u00fcgung hatten.<\/p>\n
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Mi. 14.08.02<\/p>\n
S: Nach ein paar Kilometern dann das n\u00e4chste Problem bei Caipiroschka (der Dnepr): Die Lichtmaschine mag nicht mehr. Nach einer kurzen Inspektion wird eine LiMa-Kohle ersetzt. R: Sacha bastelt an der Lichtmaschine, ich schmiere die Salami-Br\u00f6tchen, es ist die reine Russenfahrer-Idylle. F\u00fcr mich ist diese Urlaubsfahrt ein einziges Abenteuer: Die erste ernstzunehmende Reise mit meinem Chinesengespann, das Vertrauen in meine Fahrk\u00fcnste ist nicht allzu gro\u00df, das ganze mit einem mir fast fremden Mann, den ich grad dreimal in meinem Leben gesehen hab; nebenbei habe ich aber viel \u00fcber Technik, Fahren und M\u00e4nner gelernt……<\/p>\n
Ich merke, da\u00df irgendwo an der Elektrik des Chinesen ein Wackelkontakt ist. Das Problem ist aber schnell gefunden: Das Kabel zur Hauptsicherung war der \u00dcbelt\u00e4ter. Die Stra\u00dfen von Ungarns Puszta sind super. \u00dcbernachtung in einem Trucker-Motel an der ungarisch-rum\u00e4nischen Grenze. Hier vergeht auch endlich unsere beidseitige Nervosit\u00e4t vor dem Unbekannten und wir sind endlich in richtiger Urlaubsstimmung.<\/p>\n
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Do, 15.08.02<\/p>\n
R: Wir passieren relativ problemlos die ungarisch-rum\u00e4nische Grenze bei Gyula und f\u00fchlen uns sofort in der Zeit zur\u00fcckversetzt. Der Charakter der D\u00f6rfer im Gegensatz zu Ungarn \u00e4ndert sich rapide:<\/p>\n
Waren in Ungarn die H\u00e4uschen und Stra\u00dfen doch sehr \u00e4hnlich dem deutsch-\u00f6sterreichischen Standard, sind die Stra\u00dfen in Rum\u00e4nien einiges bauf\u00e4lliger, maroder, mit ausgesprochen schlechtem Untergrundbelag. Alles wirkt d\u00f6rflicher, \u00e4rmlicher, die meisten der Seitenstra\u00dfen in den D\u00f6rfern sind lediglich unbefestigte, ungeteerte Sandpisten. Die H\u00e4user wirken meist sehr krumm, die Fenster sind oft von innen verhangen und die D\u00f6rfer sind sich alle sehr \u00e4hnlich. Wir sehen viele St\u00f6rche, meist an den Ortseinfahrten. G\u00e4nse, Enten und auch Ochsen kreuzen den Weg, auffallend sind die vielen Pferdefuhrwerke, die langsam am Stra\u00dfenrand davon zuckeln.\u00a0 Einige der\u00a0 Stra\u00dfen sind verheerend, ich habe immer die Worte im Ohr: \u201e…es wird Euch jede Schraube abvibrieren…\u201c Wenn die Stra\u00dfen alle so sind wie die in der Grenzregion, na, dann konnte das ja heiter werden. Auffallend ist die Auswirkung des verbleiten Benzins auf die alten Motorkonstruktionen: Die mechanischen Ger\u00e4usche sind viel leiser, ich finde auch, da\u00df der Motor insgesamt ruhiger l\u00e4uft.<\/p>\n
S: Wir fahren die 79A von Chirineu-Cris nach Varfunile. Dann geht’s weiter\u00a0 auf der 76 nach Arad\/Deva\/Orastie. Unterwegs sehen wir viele Schl\u00f6sser und Ruinen.<\/p>\n
Noch ein Wort zur einheimischen K\u00fcche:<\/p>\n
Unterwegs halten wir vor einem Stra\u00dfenrestaurant an, um etwas zu essen. Da es keine Men\u00fckarte gibt, geht Regina mit der Bedienung in die K\u00fcche, um unser Men\u00fc auszusuchen. Sie entscheidet, da\u00df eine warme Suppe uns gut tun w\u00fcrde.\u00a0 R: \u201eCsorpa de burta\u201c,\u00a0 wird im Reisef\u00fchrer als rum\u00e4nisches Nationalgericht betitelt. In meiner Ahnungslosigkeit habe ich eben dieses bestellt. Erst als Sacha mit Todesverachtung\u00a0 ein paar helle, fransige Fleischfetzen mit seinem L\u00f6ffel aus der fettigen Br\u00fche zutage f\u00f6rdert, wissen wir, was ich da bestellt habe: Kutteln. Es ist eine sehr heikle Sache, in Rum\u00e4nien eine unber\u00fchrte Suppe zur\u00fcckgehen zu lassen, das lassen wir lieber sein.<\/p>\n
In Coslesti (bei Orastie) finden wir den Zeltplatz, der auf der Karte angegeben war. Komisch, warum sind wir allein auf der sch\u00f6nen Wiese und warum sind die Zelte der Rum\u00e4nen alle direkt neben dem Weg?<\/p>\n
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Fr. 16.08.02<\/p>\n
R: Als wir morgens dann beim Aufstehen in breite Kuhgesichter blicken, kennen wir den Grund. Das erste Mal fahre ich mit meinem Chinesen vorsichtig durch eine Kuhherde, hat auch was.<\/p>\n
Wir fahren durch nette D\u00f6rfchen, eine idyllische Landschaft, die zu unserem Erstaunen aber immer noch sehr flach ist. Insgeheim hatten wir doch schnell mit den Karpaten gerechnet, mussten dann aber irgendwann doch feststellen, da\u00df wir die Entfernungen in Rum\u00e4nien gr\u00fcndlich untersch\u00e4tzt hatten! Interessanterweise werden die Stra\u00dfen im Landesinneren etwas besser, auch die D\u00f6rfer sehen nicht mehr ganz so \u00e4rmlich aus wie die hinter der Grenze.<\/p>\n
In einem netten rosa gestrichenen Cafe haben wir die erste Begegnung mit Prostituierten, eine Erscheinung, die an solch befahrenen Stra\u00dfen nicht ausbleibt. Wir treffen Kemal aus der T\u00fcrkei, der mit seiner BMW von Istanbul aus unterwegs war. Er erz\u00e4hlt uns, da\u00df Bulgarien viel schlimmer sei als Rum\u00e4nien in Bezug auf Polizeikontrollen und so weiter. \u00dcber seine Tagesleistung von 750 km k\u00f6nnen wir nur m\u00fcde grinsen. Immerhin haben unsere beiden Seitenventil-Saurier bisher gut durchgehalten.<\/p>\n
An diesem Tag haben wir das Vergn\u00fcgen unserer ersten Polizeikontrolle, wie sie \u00fcberall im Lande stattfinden. Die Polizisten wollen alles sehen: Ausweis, Fahrzeugschein und auch den F\u00fchrerschein. Uns beschleicht das Gef\u00fchl, da\u00df die Herren die deutschen und schweizer Papiere nicht so ganz verstehen, aber wenn es ihnen Freude macht, sollen sie halt. Ankunft in Sisioara\/Sch\u00e4\u00dfburg, eine wirklich sehr sch\u00f6ne, mittelalterliche Stadt. Die ganze Innenstadt steht unter Denkmalschutz, zu Recht, ein Ausflug dorthin lohnt sich wirklich;\u00a0 auch wenn Sch\u00e4\u00dfburg dadurch ein sehr touristischer Ort ist. \u00dcbernachtung in einem kleinen Hotel, wir bestehen darauf, da\u00df die Gespanne beim Nachbarn eingeschlossen werden<\/p>\n
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Sa. 17.08.02<\/p>\n Morgens Erkundung der Stadt, die auch Geburtsort von Vlad Tepes, dem historischen Vorbild von Bram Stokers Dracula, ist. Gegen Mittag fahren wir auf der 13 weiter Richtung Brasov, wo sich dann das angebliche Dracula-Schlo\u00df\u201c befindet.<\/p>\n Als wir dann in Brasov ankommen, regnet es noch immer stark. Das Schlo\u00df sieht dadurch zwar wildromantisch und sogar leicht gespenstisch aus, hebt unsere Laune zur Besichtigung alter Runinen aber leider nicht besonders. Hinter Bran beginnt die sehr sch\u00f6ne Stra\u00dfe 73, die direkt in die Berge f\u00fchrt. Die Stra\u00dfe steigt und steigt an. Wir bedauern, da\u00df wir wegen des Regens und Nebels die wundersch\u00f6ne Aussicht auf die sattgr\u00fcnen T\u00e4ler und Wiesenlandschaften nicht genie\u00dfen k\u00f6nnen. Am Stra\u00dfenrand wird Schafsk\u00e4se in Baumrinde angeboten, ferner Salami und andere Spezialit\u00e4ten.<\/p>\n Auf dem Weg zum Pa\u00df halten wir an einem Rasthaus und stellen bei der Abfahrt die erste Panne am Chinesengespann fest: platter Reifen. Nat\u00fcrlich f\u00e4ngt es w\u00e4hrend des Radwechsels sofort wieder an zu regnen. Nach ein paar Kilometern m\u00fcssen wir den Bremsbowdenzug in Ordnung bringen, der dummerweise aus seiner Halterung entwichen ist. Wir fahren durch eine wundersch\u00f6ne Karpatenlandschaft, selbst die D\u00f6rfchen am Weg sehen sehr sch\u00f6n aus. Das Ganze w\u00e4re bei entsprechender Witterung perfekt gewesen.<\/p>\n An diesem Abend kommen wir in Campulung an und entscheiden uns f\u00fcr ein einfaches, aber sauberes Motel an der Durchgangsstra\u00dfe. Hier beweist sich die Unkompliziertheit der Rum\u00e4nen: Da es keine M\u00f6glichkeit gibt, die Moppeds wegzuschlie\u00dfen, d\u00fcrfen wir sie kurzerhand unter das Cafe-Vordach schieben, wo die beiden Gespanne einen trockenen, \u00fcberdachten Platz erhalten. Die G\u00e4ste des Cafes schielen alle neugierig zu diesen seltsamen Maschinen und ihren noch seltsameren Besitzern. So ein Unterfangen sollte man mal in Deutschland probieren – unvorstellbar.<\/p>\n \n Die Rum\u00e4nen sind sehr kontaktfreudige und sehr freundliche Menschen. Der Chef des Caf\u00e8s l\u00e4sst uns einige Fragen \u00fcbersetzen und erkl\u00e4rt uns, er habe auch mal eine gro\u00dfe Maschine gefahren. Was auch immer das in Rum\u00e4nien hei\u00dfen mag, denn auf der bisherigen Reise haben wir ausschlie\u00dflich Simsons gesehen, die eher einem Mofa gleichen, Ausl\u00e4nder fahren meist Enduros. Schwere Motorr\u00e4der sind somit tats\u00e4chlich eine Seltenheit, f\u00fcr schwere, schnelle Maschinen w\u00e4ren die meisten Stra\u00dfen allerdings auch eher ungeeignet. Der wohl einzige Jawa-Besitzer Rum\u00e4niens hat sogar zweimal angehalten, um den seltenen Anblick von Gespannen zu genie\u00dfen.<\/p>\n \n So. 18.08.02<\/p>\n Weiterfahrt \u00fcber Curtea de Arges und Ramnicu Valcea. Auf der 7 Richtung Norden erleben wir eine tolle Fahrt durch eine erstaunlich gut ausgebaute Schlucht. Zudem wird das Wetter langsam besser.<\/p>\n Bei Brezoi fahren wir auf die 7A in die Karpaten. Laut unserer Karte sollte nur ein kleiner Teil \u201eschlecht ausgebaut\u201c sein. Also entscheiden wir uns, den 1680 m hohen Tarteran-Pass zu bezwingen. Die Stra\u00dfe f\u00fchrt an drei Stauseen vorbei, wir sind entsetzt \u00fcber die \u00fcbrig gebliebenen Relikte sozialistischer Architektur: riesige, geschmacklose Betonburgen verschandeln die traumhafte Landschaft. Erstaunlicherweise sind die Stra\u00dfen zu diesen Hotels in verheerendem Zustand, wir haben auch nicht erkennen k\u00f6nnen, ob diese \u00fcberhaupt noch in Betrieb waren.<\/p>\n Wir sehen ein Schild: Sebes, 60 km, die richtige Richtung. Laut Karte \u00fcber die Passstra\u00dfe 67C, an ein paar Seen\u00a0 und einigen wenigen Ortschaften vorbei. Wir biegen in den Weg ein und fahren durch das Spielfeld einiger ambitionierter rum\u00e4nischer Fu\u00dfballspieler, die das aber nicht weiter tragisch finden und schnell zur Seite springen. Der Weg sieht nicht unbedingt nach Passstra\u00dfe aus, deshalb fragen wir einen der Spieler nach dem Weg nach Sebes. Er best\u00e4tigt uns gestenreich, da\u00df wir uns auf der richtigen Stra\u00dfe befinden. Die Stra\u00dfe wird zu einer Art ungeteertem Weg mit vielen Steinen drin. Zu dem Zeitpunkt finden wir es noch lustig und abenteuerlich, da\u00df die Rum\u00e4nen eine solche Stra\u00dfe zu einem Pass verbauen. Laut der Karte m\u00fcsste sich der schlechte Zustand der Stra\u00dfe auf der anderen Pass-Seite wieder bessern. Erstaunt haben uns die vielen Dacias und LKWs, die sich ohne R\u00fccksicht auf Verluste, Sto\u00dfd\u00e4mpfer und Insassen, ihren unkomfortablen Weg \u00fcber unz\u00e4hlige Schlagl\u00f6cher bannen.<\/p>\n Die Dnepr und die CJ fahren anstandslos die Sand-\/Stein-Piste auf den Pass hinauf. Die wenigen L\u00f6cher in der \u201eStra\u00dfe\u201c k\u00f6nnen wir noch problemlos umfahren. Auf dem Wege haben wir einige Zigeuner-Lager und viele Wildcamper gesehen. Viele Rum\u00e4nen scheinen am Wochenende mit ihren Dacias in die freie Natur zu fahren, packen Familie, Grillzeug und Zelt ein und campen dann am Stra\u00dfenrand oder auf Waldwiesen. Als wir den Pass runterfahren, wird die Stra\u00dfe wider Erwarten nicht besser. Im Gegenteil, die Stra\u00dfe wird immer schlechter; irgendwann wird das ganze nur noch zum anstrengenden Schlaglochumfahren. Allerdings haben wir schlechte Karten: Haben wir das Motorrad um ein Schlagloch man\u00f6vriert, f\u00e4hrt garantiert das Beiwagenrad in ein anderes Loch. Die Fahrt geht an die Substanz. Zudem wird es langsam Nacht und wir haben noch kein Schlaflager gefunden.<\/p>\n Unsere Gedanken kreisen nur noch um die Motoren und den vielen Schrauben, die sich durch die Vibrationen l\u00f6sen k\u00f6nnten. Es wird immer dunkler und zu allem \u00dcbel ist links Fluss und rechts Busch oder Felswand, d.h. keine Chance, ein Zelt aufzustellen. Die Fahrt wird zum blanken Horror. Sachas 6-Volt-Beleuchtung ist nicht das Gelbe vom Ei. Es wird unertr\u00e4glich: stockdunkel, wir sind beide m\u00fcde und kaputt, die Gelenke schmerzen, und immer nur diesen verdammten Schlagl\u00f6chern ausweichen im 1. oder maximal 2. Gang.<\/p>\n Irgendwann in tiefster Nacht kommen wir in Tau an, ein kleines \u00d6rtchen mitten in den W\u00e4ldern. Dort finden wir in der N\u00e4he eines Waldes ein Fleckchen, wo ein kleines Zelt Platz hat. Aber in diesem Moment ist uns alles egal, wir h\u00e4tten wohl auch mitten auf einer Stra\u00dfe campiert. Hauptsache Schlafen, Hauptsache kein \u00f6des Schlaglochumfahren mehr. Gl\u00fccklicherweise haben die Maschinen bis dahin keine Probleme bereitet. Auf der Karte sehen wir, da\u00df es noch ein gutes St\u00fcck bis Sebes ist. Ich frage mich, ob die irren Rum\u00e4nen die ganzen 60 km mit lustigen Schlaglochpisten garniert haben. Warum gibt es eigentlich so viele fahrende Dacias in Rum\u00e4nien? Und warum er\u00f6ffnen wir keinen Sto\u00dfd\u00e4mpfer-Gro\u00dfhandel?<\/p>\n \n Mo. 19.08.02<\/p>\n Am n\u00e4chsten Morgen bekommen wir die Auswirkungen der gestrigen H\u00f6llenfahrt zu sp\u00fcren: Die Dnepr produziert Fehlz\u00fcndungen, es knallt erb\u00e4rmlich. Die Hauptd\u00fcse hat sich durch die Vibrationen gel\u00f6st, Sacha nimmt den Vergaser auseinander und stellt ihn neu ein.\u00a0 Erst ab Sugag werden die Stra\u00dfen wieder besser, wir k\u00f6nnen es kaum fassen. Auch die Anzahl der D\u00f6rfer h\u00e4uft sich wieder. So haben wir 60 km brutalste Schlaglochpiste hinter uns gebracht, dieses Vergn\u00fcgen hat uns mehr als einen 12 Stunden gekostet. Sachas Vergaserprobleme kommen wieder und halten an bis Sebes.<\/p>\n R: Auf der Suche nach einem Restaurant lernen wir Michail kennen, der uns einiges \u00fcber die Rum\u00e4nen und die Lebensumst\u00e4nde erz\u00e4hlt. Etwas irritiert sind wir, als er sich als Ceaucescu-Fan outet und uns vorschw\u00e4rmt, da\u00df unter diesem r\u00fccksichtslosen Despot die Preise noch bezahlbar waren und die Stra\u00dfen besser. Seither k\u00f6nnen die Rum\u00e4nen die Miet,- Benzin-, und Lebenshaltungskosten kaum aufbringen. Das ganze ist eine etwas schwierige Situation: Diktatur oder \u00dcberleben? Wie kann ich als privilegierte Westdeutsche da urteilen,\u00a0 die ich immer brav den Mund auftun durfte und auch immer kaufen konnte, was ich wollte. Aber so erkl\u00e4rt sich wohl die immer noch vorhandene Verehrung f\u00fcr Ceaucescu, der \u00fcber 40 Jahre das Land mit eiserner Hand diktierte und mit Hilfe seiner Securitate die Bev\u00f6lkerung brutalst unterdr\u00fcckte.<\/p>\n Michail l\u00e4dt uns mit zu sich nach Hause ein. Das bedeutet: Der Gast bekommt auf jeden Fall einen Kaffee angeboten, es werden Familienalben gezeigt, Erfrischungsgetr\u00e4nke gereicht und zuletzt bekommen wir noch eine ganze T\u00fcte frisch gepfl\u00fcckter \u00c4pfel und Birnen. Michail genie\u00dft es offensichtlich, auf der Dnepr mitzufahren. In Sebes macht er uns mit \u201eDr. Simson\u201c bekannt, einem begnadeten Simson-Mechaniker, der fr\u00fcher selbst eine Ural besessen hatte. Er kann Sacha Ural-Kupplungsbel\u00e4ge mitgeben und hat gute Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Vergasereinstellung der Dnepr. Die Verst\u00e4ndigung ist sehr einfach, da der \u201eDoktor\u201c sehr gut Deutsch, Franz\u00f6sisch und Englisch spricht.<\/p>\n \n Wir sind begeistert von diesen Menschen, die spontan helfen und sehr gastfreundlich sind. An diesem Tag kommen wir bis Simeria, wo wir den ersten offiziellen rum\u00e4nischen Zeltplatz auf unserer Reise kennen gelernt haben. Aufgefallen ist uns in diesem Urlaub die teilweise sehr \u00fcberhebliche Art der deutschen Camper, die ungefragt ihre eingeschr\u00e4nkte Meinung \u00fcber bestimmte Zust\u00e4nde, die nicht in ihr deutsche Denken passen, zum Besten geben m\u00fcssen. Aber der Zeltplatz war Ok.<\/p>\n R: Ich muss immer mal wieder nach dem \u00d6lstand des Chinesen sehen der immer sehr schnell abnimmt. Ich bin \u00fcberzeugt, da\u00df an diesem Motor keine Dichtung mehr ihrer Funktion nachkommt. Wobei den Rum\u00e4nen, die ihren \u00d6lwechsel oft neben Fl\u00fcssen auf eigens gebauten Rampen machen, das ziemlich wurscht sein d\u00fcrfte.<\/p>\n \n
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