Lettisches Outback

Nach Riga fuhren wir in suedoestlicher Richtung. Das erste Ziel war Lielvarde, wo sich eien alt-lettische Holzburg befindet. Allerdings ist es nur eine Rekonstruktion davon, da von den originalen aus dem 12. Jhd. naturgemaess nicht mehr viel uebrig ist. Erbaut hat man die Holzburg nach archaeologischen Erkentnissen, allerdings wurde eingeraeumt, dass man die Dinge, die nicht ganz gesichert sind, frei erfunden hat.

Danach gings in Richtung Atasiene, wo sich eine kleine Motorrad- und Uniformensammlung befinden sollte.

Nachdem wir den Hof nebst Besitzer in dem kleinen Dorf gefunden hatten, erlebten wir einige Ueberraschungen.
Auf dem Hof selbst standen neben einem Dnepr-Gespann uebrigens auch mehrere Izh-Gespanne, ein Minenwerfer, ein paar antike Standmotoren, einige Fleischwoelfe an der Scheune und eine alte Teufelsmaske.
Der Besitzer entschuldigte sich kurz, als er uns sah und meinte, dass er sich kurz umziehen muesste. Als er wiederkam, hatte er einen hoelzernen Zeigestock in der Hand, ein weisses Kaeppi auf sowie ein T-Shirt an, auf dem saemtliche Motorradtypen aufgedruckt waren. „Der Krieg ist noch nicht vorbei“, meinte er mit einem verschmitzten Laecheln und fuehrte uns in seine Scheune.

chnuschti

Chnuschti

Dort beginnt seine Sammlung vornehmlich russischer Motorraeder mit einer M 72. Interessant uebrigens waren auch die originalen, russischen Plakate und Diplome, die er aufgehaengt hatte. Nach der M 72 zeigte er uns ein Modell, das er M72 N nannte und er klaerte uns, dass das die Grundlage der ersten Dnepr war. Danach folgte eine K 750 und danach Modelle mit ohv-Motor. Danach kamen einige russische Roller-Nachbauten, die runde davon mit der Bezeichnung „Turist“ wurde von den Letten wohl als „Schwein“ bezeichnet. Hinten, in der Scheune folgte die Sammlung der Benzinkanister aus aller Welt…..Auf der anderen Seite ging seine Sammlung oestlicher Motorraeder mit Pannonia und Izh weiter. Darauf folgten die Jawas, von denen er bedauernd meinte, dass ihm leider 3 Modelle fehlen wuerden. Ueberhaupt sei die tschechische Jawa DAS Motorrad schlechthin gewesen, quasi die Upper-Class. Das gleiche hatte uns uebrigens seinerzeit auch Pjotr in Moldawien erzaehlt. Jawa scheint demzufolge eine recht zuverlaessige Maschine zu sein. Von Jawa und Izh hatte er auch die neueren Modelle in einer Sammlung, die die Jahre 1935 bis 1980 umfasst. Im Eingangsbereich stand eine maschine, die wir bereits aus dem Motorenmuseum Riga kannten: eine gelb-blaue M 67, die wohl frueher ihren Dienst in der „Milicja“ tat. Stolz kickte er sie an, um uns die funktionstuechtige Sirene zu demonstrieren.

schaeune

Viele Schaetzchen

eisenschwein

Eisenschwein Tourist

m67milizia

M76 Milicia

Draussen durften wir anschliessend seine umfangreiche Uniformensammlung anschauen: neben SS-Uniformen, die aussehen wie frisch ab Werk hatte er auch lettische sowie russische Uniformen im Programm. Selbstverstaendlich mit netten Accessoires wie den originalen Helmen und Muetzen, Kalaschnikows, Maschinengewehren, Handgranaten und was man als Soldat sonst noch braucht.
In seiner Scheune der Vollstaendigkeit halber noch originale Munition, Plakate, Buecher usw. Als ich abschliessend etwas in sein Gaestebuch schrieb, kurbelte er sein Grammophon und legte Marschmusik auf!

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Sexy Regina

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Schweizer Kosake

wirbeide

Ausweiskontrolle, Papiere Bitte.......

Die harmlose Frage von uns, weshalb er denn seine Dnepr auf einen Zentralvergaser umgeruestet hatte, beantwortete er mit der Aufforderung, dass ich bitteschoen in den Beiwagen klettern sollte, waehrend Sacha hinten auf dem Motorrad Platz nehmen sollte. Und dann gab der Endfuenfziger Gas: Zuerst ratterte er mit uns durch eine Pfuetze und zielte auf das ungemaehte Gras. Dort drehte er rasant, um auf den wald zu zielen. Dort ging es fuer einige Minuten durch Buesche und das Unterholz. Als ich aus dem Beiwagen stieg, musste ich mir saemtliche Graeser, die hinter seinem Hof wuchsen, von der Jacke wischen… Bedauernd teilte er uns mit, dass der Motor somit halt leider nur ca. 60 km/h Endgeschwindigkeit haette.

Weiter ging unsere Reise nach Norden Richtung Madona. Auf dieser Strecke lernten wir lettische Nebenstrecken kennen, die oft nicht mehr als Sandpisten sind. Wir hatten sogar die Sorge, dass uns in dieser Gegend das Benzin ausgehen koennte. Gluecklicherweise gibt es aber auch im lettischen Outback immer mal wieder menschliche Ansiedlungen. In der einzigen auf der Strecke fand sich eine kleine Tankstelle. Daneben lungerten ein paar Junge herum, von denen uns einer in deutsch ansprach: Normalerweise arbeite er auf einem Bauernhof bei Bremen – was will man denn hier in der Gegend schon? Mehr als Beerenpflücken koenne man eh nicht tun.

Von Madona aus gings auf gut geteerten Wegen nach Sigulda und Turaida. Das Schloss in Turaida ist, obwohl es von weitem spektakulaer aussieht, von innen nichts besonderes. Das interessanteste ist der Ausblick vom Turm aus ueber die lettische Landschaft.

Abends kamen wir zufaellig an einer alten Muehle aus dem 18. Jhd vorbei, die laut dem Besitzer bis zum 1. Weltkrieg in Betrieb war. Es handelt sich um eine Muehle hollaendischen Typs mit drehbarem Kopf. Der Besitzer zeigte uns noch seine selbstgebaute Sauna und war ueberhaupt sehr kommunikativ und auskunftsbereit. Nur die Russen, die wuerde er hassen, meinte er noch.

In Cesis fanden wir einen sehr guten Campingplatz an einem der vielen kleinen Seen, die es hier gibt. Von dort aus sind wir heute an der Kueste entlang nach Estland gefahren und hier in Paernu angekommen.

Gruesse aus Estland Regina

staubpiste

Nebenpiste in Lettland, Chef schluckt Staub

turaida

Lettisches Skigebiet, ohne Witz

muehle

Windrad alter Art


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